Einfach mal wieder durchschnaufen!

Wo andere dafür sorgen, dass Maschinen und Anlagen nicht sillstehen, sorgt Robert Roller dafür, dass die Bäume wachsen. Als Förster in Bad Teinach-Zavelstein arbeitet er in und an einem hochsensiblen System, das für uns Menschen so elementar ist: dem Wald.

Red.:

Herr Roller, so wie andere mit Zahlen jonglieren, tun Sie das mit Bäumen?

Robert Roller:

Nun ja, ich muss die Zahlen und die Bäume im Blick haben. Wir planen die Holznutzung jedes Jahr sehr akribisch, welche Mengen wollen wir schlagen und wo genau. Man muss da sehr exakt arbeiten, da gucke ich mir jeden einzelnen Baum an: Welches Alter und welchen Gesundheitszustand er hat, aber natürlich auch, welche Funktion der Baum erfüllt.

Red.:

Was können wir uns unter einer solchen Funktion vorstellen?

Robert Roller:

Zum einen die direkte, örtliche Funktion, d.h. ob er anderen Bäumen Licht nimmt, ob er schädlingsanfällig ist und weiteres. Daneben gibt es auch überörtliche Funktionen, z.B. wenn Fledermäuse in einer Spechthöhle wohnen. Solche Biotope sind natürlich schützenswert.

Red.:

Und beim Holzeinschlag sind Sie dann auch dabei?

Robert Roller:

Ja, natürlich. Man sollte das aber nicht unterschätzen. Da ist es umso schwieriger, wenn manche Waldbesucher unsere Sperrungen einfach ignorieren, es ist nämlich wirklich lebensgefährlich.

Red.:

Was hat sich denn generell im Nördlichen Schwarzwald im Laufe der Zeit getan, und wo geht die Entwicklung hin?

Robert Roller:

Generell wollen wir wieder zu einer „urtümlichen“ Waldzusammensetzung, wie ein Urwald. Was viele nicht wissen: Vor 200 Jahren gab’s hier keinen Wald, der wurde fast komplett gerodet, nicht nur wegen dem Holz, sondern auch als Getreideanbauflächen.

Red.:

Aber dann wurde doch fast komplett wieder aufgeforstet?

Robert Roller:

Das schon, aber eben mit Bäumen wie Kiefern oder Fichten, die zum einen nicht ursprünglich hier beheimatet sind und dazu noch Stürmen weniger standhalten, was man ja unter anderem beim „Lothar“ gesehen hat. Wir versuchen nun, nach und nach wieder die Arten hier zu etablieren, die sich über Jahrtausende bewährt haben wie Weißtanne, Eiche, Buche oder auch Douglasie.

Red.:

Und von welchen Zeiträumen reden wir da?

Robert Roller:

In 100 bis 200 Jahren wollen wir wieder diesen „Urzustand“ hergestellt haben.

Red.:

Würden Sie den Nördlichen Schwarzwald als besonders schön ansehen?

Robert Roller:

Ja, würde ich schon sagen. Gerade bei Inversionswetterlage ist’s hier absolut traumhaft: reinste Luft und ein Blick bis zu den Alpen, dazu absolute Ruhe. Kein Wunder, dass viele Leute aus Karlsruhe, Ludwigsburg oder Stuttgart am Wochenende zu uns kommen. Die wollen halt auch einfach mal wieder durchschnaufen.

Red.:

Wie kommt man eigentlich darauf, Förster zu werden?

Robert Roller:

Pauschal kann man das wohl nicht sagen. In meinem Fall hatte ich von der Tätigkeit in einem Gespräch mit Freunden erfahren und dachte mir: Das sind ja alles meine Hobbies! Daraufhin habe ich Forstwirtschaft studiert – und wurde dann Förster.

Red.:

Bereut haben Sie Ihre Entscheidung nie?

Robert Roller:

Nein. Ich wüsste nicht, ob es einen schöneren Beruf gibt. Ich habe viel Abwechslung, dazu aber natürlich auch in der Natur zu tun.

Red.:

Sie meinen, das hält gesund?

Robert Roller:

(lacht) Ja, richtig. Und dass man im Wald nicht immer Handy-Empfang hat, halte ich auch nicht unbedingt für einen Nachteil.

Red.:

Wir danken Ihnen für das Interview.

Teilen