Förster Alex Volkert erzählt

Frische Luft den ganzen Tag? Motorsägenheulen in der Ferne? Wild an einer Lichtung im Morgengrauen begegnen? Erfahren Sie im Gespräch mit Förster Alex Volkert alles, was man über den Beruf als Förster wissen muss...

Red.:

Herr Volkert, viele Menschen sagen mir immer wieder: Förster ist sicher einer der schönsten Berufe, die es gibt. Wie sehen Sie das denn als Betroffener?

Alex Volkert:

Das stimmt! Aber Spaß beiseite: Förster ist zunächst einmal ein Beruf wie jeder andere. Ich bin nicht immer nur an der frischen Luft und beobachte das Wild, denn die Büroarbeit nimmt auch hier immer mehr zu. Die romantische Vorstellung des Forstberufes, wie sie in den Fernsehserien dargestellt wird, gibt es so natürlich nicht. Aber der gesamte Nordschwarzwald und speziell mein Revier, das Forstrevier Langenbrand, ist schon eine hochinteressante Gegend und da macht mein Beruf natürlich sehr viel Freude!

Red.:

Ihr Forstrevier Langenbrand liegt zwischen 500 und 700 m. ü. N.N. (über dem Meeresspiegel). Das ist nicht ungewöhnlich hoch für die Region Nördlicher Schwarzwald – was ist daran so besonders?

Alex Volkert:

Zunächst einmal treffen wir hier auf eine typische Mittelgebirgslandschaft geprägt von wunderschönen Tannen-Buchenwäldern, sowie Tannen-, Fichten-, und Kiefernbestände. Der Obere Buntsandstein, oft landwirtschaftlich genutzt im Wechsel mit Wäldern, sowie der Mittlere Buntsandstein mit wunderschönen Felsformationen, geben der Gegend den besonderen Charakter. Steile Taleinschnitte mit den typischen Schwarzwaldbächen und weite Ausblicke prägen die Landschaft. Im Forstrevier Langenbrand bin ich zuständig für den Staatswald des Landes Baden-Württemberg, den Gemeindewald der Gemeinde Schömberg und den Privatwald auf deren Gemarkung. Diese Bewirtschaftungsform der drei unterschiedlichen Besitzarten aus einer Hand macht meine Arbeit nicht nur interessant, sondern ist auch ein Garant für ein naturnahes Arbeiten auf großer Fläche.

Red.:

Stimmt es, dass alles Wasser aus der Region hier in den Rhein fließt?

Alex Volkert:

Das stimmt! Und das ist nicht unbedeutend! Alle Gewässer, die dem Schwarzwald entspringen kennen nur zwei Richtungen: zur Nordsee oder zum Schwarzen Meer. Alle Flussläufe, die zur Nordsee fließen, also zunächst in den Rhein, waren wirtschaftlich immer bedeutsam. Die gesamte Flößerei spielte sich ausschließlich auf jenen Wasserläufen ab, die in den Rhein flossen. Abertausende Weißtannenstämme wurden so beispielsweise das Murg-, Enz-, und Nagoldtal hinunter nach Holland geflößt. Dass in dieser Zeit, also im 15. und 16. Jahrhundert hier im Nordschwarzwald im Grunde der (Holz-) Tourismus seinen Anfang nahm, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

Red.:

Wie meinen Sie das?

Alex Volkert:

Naja, der Nördliche Schwarzwald, ja der Schwarzwald insgesamt war eine ziemlich raue Gegend. Wer damals nicht genügend Vorräte hatte, konnte die Winter wahrscheinlich nicht überleben. Die großen Holzkompanien, hier die Calwer Holzkompanie, war ein großer Arbeitgeber. Somit kam mehr Geld in die Region, der Handel nahm zu und so manches Vier-Sterne-Haus hier im Nordschwarzwald hatte darin seinen Anfang.

Red.:

Ist das demzufolge immer noch ein Job für die ganz Harten, hier im Nördlichen Schwarzwald?

Alex Volkert:

Nein, nein natürlich nicht! Wir arbeiten heute zwar mit Kranschleppern, Seilkränen und Vollerntern, aber zum großen Teil auch mit Motorsägen. Die Waldarbeit ist daher nach wie vor eine sehr anspruchsvolle, in Richtung Leistungssport gehende Tätigkeit. Selbstverständlich ist Wald auch ein Wirtschaftsfaktor der tausende von Arbeitsplätzen garantiert, aber auch Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Heutzutage gibt es viel mehr Totholz in den Wäldern, welches als Trittstein für die verschiedensten Arten wichtig ist. Dies alles miteinander in Einklang zu bringen ist mir als Förster ein großes Anliegen. Das bedeutet in erster Linie „Naturnahe Waldwirtschaft“, biologische Vielfalt und Nachhaltigkeit. Dieses Wort kommt aus der Forstwirtschaft und bedeutet ganz einfach, dass immer nur so viel Holz eingeschlagen wird wie auch nachwächst.

Red.:

Muss man nicht eher umgekehrt Sorge haben, dass immer mehr Wald in die freien Flächen hineinwächst?

Alex Volkert:

Das ist ein spannendes Thema, ja. Die so genannte Offenhaltung der Landschaft ergibt sich heutzutage tatsächlich nicht mehr so einfach. Zahlreiche landwirtschaftliche Familienbetriebe haben in den letzten Jahrzehnten aufgegeben. Zu mühsam war die Höhenlandwirtschaft und viel zu gering die Erträge. Die Kindergeneration suchte ohnehin den Weg in die Städte oder in andere Berufe und so verschwand sukzessive ein Betrieb nach dem anderen. Heute nun hat sich die Situation weitgehend stabilisiert. Touristisches Interesse am Wandern und zahlreiche Förderprogramme zur Offenhaltung der Landschaft vor allem bei uns entlang den Bachläufen haben die Bedeutung der offenen Landschaft wieder bewusst gemacht und sorgen dafür, dass eine „Verschwarzwaldisierung“ nicht stattfindet.Wandern, Radfahren, Ausspannen und einfach die Natur genießen, sind hier von hoher Priorität.

Red.:

Vor vielen Jahren hatte dann auch der Orkan Lothar etliche Flächen gewissermaßen freigefegt.

Alex Volkert:

Ja, das war allerdings ein weit hin sichtbares Ereignis! Um Weihnachten 1999 verwüstete der Orkan Lothar große Flächen mit einem Sturmholzanfall von nahezu 30 Millionen Kubikmeter Holz im Schwarzwald – davon den größten Teil im Nordschwarzwald. Wer dieses Ereignis miterlebte, weiß was Naturgewalten sind. Tatsächlich wurden große Waldstriche damals einfach plattgefegt. Aber auch hier zeigte sich was die Natur zu leisten im Stande ist. Die heutigen „Lothar-Flächen“ sind hier zu 99% aus Naturverjüngung entstanden. Bei angepassten Wildständen sieht man auch auf Dauer, was uns die Natur schenken kann.

Red.:

Daraus ergaben sich ja eine Vielzahl von Naturlehrpfaden und Naturerlebnisräumen!

Alex Volkert:

Sicherlich ergaben sich hieraus viele Ideen. Vielerorts entstanden durch die Freiflächen ganz neue, interessante Waldbilder mit weiten Ausblicken, die touristisch sehr attraktiv sind. Aber selbstverständlich lebt ein Wald von Veränderungen. Hier wächst etwas zu, dort entsteht ein neuer Ausblick. Diese Dynamik macht den Schwarzwald mit seinen Höhen und Tälern ja gerade so interessant. ​

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