Nerven wie Drahtseile

„Häkeln kannst Du später“ – mit direkten Ansagen geizt der Hochseilgarten Nagold nicht. Dieter Nell ist der Mann, der hinter der Entstehung eines der größten freistehenden Hochseil-Parcours in Deutschland steht und diesen seit 2009 stetig weiterentwickelt. Ihn haben wir zum Gespräch getroffen.

Red.:

Wie kommt man denn auf die Idee, einen Hochseilgarten zu bauen?

Dieter Nell:

Das Gelände hat mich einfach inspiriert. Ich war ja hier auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände lange Jahre als Fallschirmjäger stationiert. Da dachte ich mir: Da muss doch was zu machen sein.

Red.:

Dann haben Sie wohl sicher kein Problem mit großen Höhen?

Dieter Nell:

(lacht) Nein, das eher nicht.

Red.:

Aber es hätte doch sicher auch noch andere Möglichkeiten gegeben?

Dieter Nell:

Kann sein. Aber das Thema „Kletterparcours“ hatte sich damals schon als riesen Trend abgezeichnet, da war’s für uns klar: Das wollen wir machen. Dass da viel Überzeugungsarbeit nötig war, ist klar. Glücklicherweise konnten wir den damaligen Oberbürgermeister dann aber auch begeistern, es ist ja schließlich auch ein Tourismusfaktor. Und auch auf der Landesgartenschau hatten wir ja einen „Flying Fox“ installiert, da konnte man an Seilen hängend schweben wie ein Vogel. Das kann man heute bei uns natürlich auch erleben.

Red.:

Der Trend hat sich ja sogar noch verstärkt – das erkennt man auch am ständigen Ausbau Ihrer Anlage in Nagold.

Dieter Nell:

Das ist richtig. Mittlerweile haben wir an die 100 Elemente. Im Gesamten sind ca. 6 Kilometer Drahtseile verbaut, alleine der Seilbahnparcours – die „Megaseilbahn“ – hat bei 10 Seilbahnen eine Länge von mehr als 650 Metern. Die längste Seilbahn davon hat eine Länge von immerhin 210 Metern. Damit sind wir der größte freistehende Kletterparcours in ganz Deutschland.

Red.:

Freistehend bedeutet, dass der Parcours nicht in einen Wald integriert ist?

Dieter Nell:

Ja, genau. Im Wald sind wir zwar nicht, dafür haben wir hier eine bestehende, sehr gute Infrastruktur.

Red.:

Teilweise steht man als Besucher ja bis zu 20 Meter über dem Erdboden. Und auch die Länge der Seilbahn – die ja eine der absoluten Attraktionen der Anlage darstellt – ist mit 210 Metern ja nicht ganz ohne. Da sollte man doch einigermaßen schwindelfrei sein?

Dieter Nell:

Ja, einigermaßen natürlich schon. Immerhin befinden wir uns da am höchsten Punkt Nagolds – mit einer absolut grandiosen Weitsicht. Das Thema Sicherheit steht bei uns aber immer an erster Stelle. Deshalb arbeiten wir auch nur mit zertifizierten Betreuern und gleichzeitig mit höchst innovativen Sicherungssystemen. Alle Besucher dürfen sich daher bei uns sehr sicher und bestens aufgehoben fühlen.

Red.:

Das sind ja mit jährlich ungefähr 9.000 Menschen schon einige. Nun bieten Sie ja nicht nur den Hochseilgarten an sich, sondern auch noch weitere spannende Events.

Dieter Nell:

Wir versuchen, unser Angebot ständig zu erweitern und neue Zielgruppen anzusprechen. Neben der Mega-Seilbahn und dem Bogenschießen bieten wir auch spezielle saisonale Events wie das „Klettern in den Sonnenuntergang“ mit anschließender Cocktailbar und Lagerfeuerromantik. Immer beliebter werden vor allem auch unsere Teambuilding-Events, das ist mittlerweile ein ganz eigener Schwerpunkt von uns.

Red.:

Was können wir uns darunter genau vorstellen?

Dieter Nell:

In verschiedenen Disziplinen werden Gruppenstrukturen erarbeitet, analysiert und verstärkt. Das erfordert Rücksichtnahme und gegenseitige Empathie – Werte, die privat, aber vor allem auch im Berufsalltag ganz zentral sind. Schon ganz viele Unternehmen und Institutionen waren dazu schon hier, darunter auch weltweit agierende Firmen.

Red.:

Das liest sich wirklich beeindruckend. Können Sie denn Ihre Ziele für die Zukunft definieren?

Dieter Nell:

Zunächst einmal wollen wir festigen, was wir haben, und unsere Kunden weiterhin begeistern. Natürlich sind wir für Kooperationen und innovative Projekte immer offen und haben natürlich auch schon die eine oder andere Idee, die wir aber noch nicht verraten.

Red.:

Dann wollen wir uns mal überraschen lassen und wünschen schon jetzt viel Erfolg und gutes Gelingen. Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Nell.

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