"Wie ein Tag Urlaub"

Ab vom Schuss – das muss nicht immer etwas Schlechtes sein. Wie bei der Grünhütte: Anlaufstelle und Geheimtipp für alle, die bodenständige, leckere Kost und Bewirtung schätzen. Wir sprachen mit Jürgen Schraft, dessen Familie die Hütte seit beinah 50 Jahren bewirtet.

Red.:

Gleich vorab: Auf Ihrer Website finden sich GPS-Koordinaten. Lässt sich die Grünhütte nur satellitengestützt finden?

Jürgen Schraft:

(lacht) Nein, das sicher nicht. Aber ein wenig Mühe ist schon nötig, um zu uns zu gelangen.

Red.:

Und das heißt genau?

Jürgen Schraft:

Nun ja, wir haben ja keine öffentliche Zufahrt zur Grünhütte. Das bedeutet, man muss schon mindestens eine Stunde laufen. Das ist aber auch einer unserer Erfolgsfaktoren.

Red.:

Inwiefern?

Jürgen Schraft:

Zu uns muss und kann man sich tatsächlich auf den Weg machen. Und wer eine Stunde oder mehr durch den Wald gelaufen ist, der hat dann nicht nur Hunger, sondern kann sich auch ganz bewusst auf die Grünhütte einlassen. Das ist dann praktisch wie ein Tag Urlaub.

Red.:

Welche Route würden Sie denn zur Grünhütte empfehlen?

Jürgen Schraft:

Im Prinzip gibt’s zwei Möglichkeiten: Von Bad Wildbad aus über den Sommerberg oder von Kaltenbrunn aus, was mit der Wanderung durch’s Hochmoorgebiet fast noch etwas spannender ist. Von der Länge sind aber beide Wege ähnlich.

Red.:

Sie entstammen ja einer richtigen Gastronomie-Familie, Ihr Bruder bewirtschaftet den Berghof in Enzklösterle. Wo liegen denn da die Ähnlichkeiten, wo die Unterschiede?

Jürgen Schraft:

Der Berghof ist ein Gasthof mit Übernachtungsmöglichkeiten, das können wir auf der Grünhütte ja nicht bieten. Wir legen unseren Fokus auf die Tagesgäste, ob Wanderer, Radfahrer oder Skifahrer.

Red.:

Das aber offenbar mit einigem Erfolg. Wie man hört, gilt die Wanderung auf die Grünhütte für einige Gruppen als festes jährliches Ritual. Dann muss es da ja offenbar etwas ganz Besonderes geben...?

Jürgen Schraft:

Ja und nein. In unserer Küche legen wir Wert auf Regionalität und Handarbeit. Man kann da wirklich von „gläserner Produktion“ sprechen. Was es bei uns gibt, ist frisch von uns gemacht...

Red.:

...wie zum Beispiel Ihre berühmten Heidelbeer-Pfannkuchen?

Jürgen Schraft:

(lacht) Ja, da werde ich häufiger drauf angesprochen. Aber es stimmt, das ist keine Fertigware, sondern handgemacht und ganz traditionell in der Pfanne ausgebacken. Es ist aber nicht nur die Qualität des Essens an sich, sondern auch das Ambiente hier. Die Grünhütte gibt da schon ein ganz spezielles Feeling, dann schmeckt alles umso besser.

Red.:

Was sind denn dann Ihre Pläne für die weitere Zukunft? Die Küche wird ja vergrößert und erneuert.

Jürgen Schraft:

Ja, die alte Küche wurde da irgendwann zu klein. Aber zu den Plänen: Eigentlich wollen wir nichts mehr, als unseren jetzigen Standard halten. Das ist das, wovon wir überzeugt sind, und das wollen wir auch zukünftig so handhaben.

Red.:

Das hört sich sehr gut an. Dann noch eine letzte Frage: Was hat’s denn eigentlich bei Ihrer Hütte mit der Farbe Grün auf sich?

Jürgen Schraft:

Genaugenommen gar nichts. Der Name leitet sich von den sogenannten „Gründen“ ab, kahlen Hochflächen, die im 17. Jahrhundert bewirtschaftet wurden.

Red.:

Ach, so ist das. Man lernt also nie aus. Herr Schraft, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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