Das Großprojekt „LIFE MooReKa“ im Hohlohmoor

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Das Großprojekt „LIFE MooReKa“ im Hohlohmoor

Sabine Zoller

Autor: Sabine Zoller

23. September 2026

Nur Wasser sichert 8.000 Jahre Naturgeschichte

Im Nordschwarzwald hat ein gigantisches Naturschutzprojekt begonnen: Bis 2027 werden im Hohlohmoor rund 1.000 Grabensperren verbaut, um das wertvolle Hochmoor nachhaltig zu schützen und zu wiedervernässen.

Wer als Wanderer durch das Hohlohmoor zieht, genießt die scheinbare Wildnis. Doch was für Laien wie intakte Natur aussieht, ist für Naturschützer ein Patient in kritischem Zustand. Ein dichtes Netz aus historischen Entwässerungsgräben entzieht den Hochmoorflächen seit Jahrzehnten das Wasser. Die Folge: Die einst weitläufigen Flächen schrumpfen und trocknen aus. Um diesen Trend zu stoppen, läuft aktuell das Großprojekt „LIFE MooReKa“ (Moorrevitalisierung Kaltenbronn-Hohlohmoor).

Das Gebiet zählt zu den ältesten Naturschutzgebieten der Region und birgt einen unschätzbaren ökologischen und historischen Wert. „Man kann mit Ehrfurcht sagen: Hier sind alle Pflanzen, die in den letzten 8.000 Jahren gewachsen sind, im Torf erhalten geblieben“, erklärt Daniel Raddatz, Referatsleiter für Naturschutz. Er betont jedoch, wie akut die Gefahr durch historische Entwässerungsgräben ist: „Nur wenn das Wasser im Moor bleibt, haben die spezialisierten Pflanzen- und Tierarten eine Überlebenschance.“

Um die Mechanismen des Moors anschaulich zu machen, zieht Raddatz einen eingängigen Vergleich heran: „Stellen Sie sich eine Essiggurke im Glas vor. Solange sie im Sud steht, bleibt sie konserviert. Sobald man das Wasser auskippt, zersetzt sie sich in kurzer Zeit. Genau das Gleiche passiert in einem entwässerten Moor: Tritt das Wasser aus, beginnt der Torf sich zu zersetzen und das mit irreversiblen Schäden für die Natur.“

Mit dem Bau der 1.000 Grabensperren soll der Wasserabfluss gestoppt werden, damit das Hohlohmoor auch für zukünftige Generationen als gigantischer Kohlenstoffspeicher und einzigartiger Lebensraum erhalten bleibt. Darüber hinaus erfüllen die Moore am Kaltenbronn zentrale Aufgaben für den Menschen: Sie dienen als riesige Wasserspeicher bei Starkregen, schützen das Klima, indem sie Torf und damit CO₂ binden, und sind als „Bodenarchiv“ von hoher wissenschaftlicher Bedeutung.

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Foto Zoller: Daniel Raddatz, Referatsleiter für Naturschutz erklärt die Situation
Foto Zoller: Mit 1000 Sperren soll gegen den Wasserverlust gearbeitet werden
Foto Zoller: Das erfolgreiche Versuchsprojekt zeigt ein renaturiertes Moor
Foto Zoller: Douglasienholz soll den Wasserverlust stoppen

1.000 Sperren stoppen den Wasserverlust

Was zunächst widersprüchlich klingt und den Einsatz von Baggern und Baugeräten im Naturschutzgebiet erlaubt, ist die einzige Rettung für das Ökosystem. Innerhalb von drei Jahren werden rund 1.000 Grabensperren in die historischen Entwässerungsgräben eingebaut. Teils geschieht dies mit speziell angepassten Kleinmaschinen, teils in aufwendiger Handarbeit, um den empfindlichen Moorboden nicht zu beschädigen.

Das Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll: Die Riegel stoppen das rasche Abfließen des Niederschlagswassers ins Tal. Das Regenwasser verteilt sich wieder in der Fläche und sickert nur noch sehr langsam ab. Dazu werden mehr als sechs Millionen Euro aus dem europäischen Förderprogramm LIFE in den Nordschwarzwald investiert, um das Hohlohmoor als besonderes Naturjuwel zu bewahren.

Wie die Rettung konkret aussieht, ist an vier bereits fertiggestellten Erprobungssperren sichtbar. Das Ergebnis überzeugt: Das Wasser wird zurückgehalten, und neben frischem Grün ist gesundes Torfmoos zu sehen.

Die Bauweise der Sperren ist durchdacht: Das Hauptholz besteht aus extrem langlebigem, astfreiem Douglasienholz aus der Region. Das garantiert die Dichtung, denn das Holz hat keine Astlöcher, durch die Wasser durchlaufen kann. Die Holzspundwand wird stromauf- und stromabwärts von Palisadenwänden flankiert, und der Zwischenraum wird mit einer Mischung aus Torf und Sägemehl abgedichtet, während kleine Überläufe bei Starkregen Überschüsse kontrolliert abführen. Dass die Maßnahmen tief wirken müssen, zeigten vorherige Messungen: Mit Sondierstangen stießen die Experten auf 2,5 bis fast fünf Meter tiefe Torflagen, pflanzliche Substanz, die über Jahrtausende im Moor angewachsen ist.

Erfolgreiche Tests und bürokratischer Rekord

Geleitet wird die Baustelle von dem im Moorschutz erfahrenen Bauingenieur Helmut Heuer-Jungemann, während die FVA die ökologische Baubegleitung übernimmt. Dass die Theorie in der Praxis funktioniert, bestätigt Lars Borrass von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA): An Standorten, an denen bereits Erprobungssperren gesetzt wurden, steigen die Wasserpegel bereits messbar an. Die Maßnahmen zeigen schon jetzt Wirkung und helfen dem Moor, selbst trockene Sommermonate besser zu überstehen.

Dass die Bagger überhaupt rollen können, ist auch einer schnellen Verwaltung zu verdanken. Das Landratsamt Rastatt erteilte die wasserrechtliche Plangenehmigung nach nur fünf Monaten Bearbeitungszeit im März, ein Rekord, der durch intensive Abstimmungen aller Beteiligten im Vorfeld möglich wurde. Nach der europaweiten Ausschreibung im Frühjahr konnte im Juni eine hochspezialisierte Fachfirma aus Sachsen für die Arbeiten gewonnen werden.

Spezial-Bagger im Einsatz

Seit Juli laufen nun die Arbeiten und der Freischnitt der Gräben auf dem rund 70 Hektar großen Maßnahmengebiet des Hohlohgebiets. Für die insgesamt 35 Kilometer langen Entwässerungsgräben werden rund 1.000 Grabensperren eingebaut, um das Wasser wieder im Moor anzustauen. Im ersten Schritt muss dafür der Aufwuchs an den Gräben zurückgeschnitten werden, damit Material, Maschinen und Personal überhaupt zu den Stellen gelangen können. Keine leichte Aufgabe, denn die Baugeräte sollen im empfindlichen Schutzgebiet keine Schäden anrichten.

Das gelingt mit einem modifizierten 8-Tonnen-Kettenbagger, der mit 1,25 Meter breiten Kunststofflaufwerken ausgestattet ist. Zum Vergleich: Ein Mensch bringt mit seiner Aufstandsfläche rund 350 Gramm Bodendruck pro Quadratzentimeter zusammen. Bei diesem Spezialbagger sind es lediglich 140 Gramm, also knapp ein Drittel des menschlichen Niveaus. Um das Projekt präzise zu stemmen, läuft die Steuerung zentimetergenau per App. Das gesamte Grabensystem ist digitalisiert, um Wege zu optimieren und jeden Bauschritt exakt zu dokumentieren.

Bauzeiten richten sich nach dem Auerhuhn

Bei aller Eile am Bau hat die Natur absoluten Vorrang. Die Bauabschnitte sind exakt auf den Kalender der heimischen Tierwelt abgestimmt. Da das Gebiet ein wichtiger Lebensraum für das stark gefährdete Auerhuhn ist, müssen die Arbeiten während der empfindlichen Phasen von Balz, Brut und Aufzucht vollständig ruhen. Der aktuelle erste Bauabschnitt endet daher Mitte November.

Der Hohlohsee soll wieder steigen

Auch am Hohlohsee stehen Veränderungen bevor. Der See leidet unter seiner Historie: Früher wurde er für die Holzernte regelmäßig abgelassen, wodurch sich der Wasserspiegel dauerhaft absenkte. Eines der großen Ziele des Projektes ist es, den Wasserstand dieses Sees durch ein massives Bauwerk wieder anzuheben. Im Zuge dessen muss auch der beliebte Bohlenweg für Besucher schrittweise zurückgebaut und später neu errichtet werden.

Aufklärung und Dialog mit den Besuchern

Für Kristina Schreyer und Renate Fischer vom Infozentrum Kaltenbronn bringt die Großbaustelle eine wichtige Aufgabe mit sich: die verständliche Vermittlung der Maßnahmen an die Besucherinnen und Besucher. Neben der Beschilderung vor Ort setzt das Team auf direkte Bildungsarbeit. Im Infozentrum begleitet die Sonderausstellung „Baustelle Moor“ die Arbeiten anhand von Fotos, Plakaten und Exponaten und gibt mit einem Erklärfilm Einblicke in die Hintergründe. Zudem wurden im Rahmen des Projekts spezielle „MoorGuides“ ausgebildet die besondere Exkursionen anbieten. Interessierte Gruppen können darüber hinaus individuelle Termine vereinbaren.

Service & Besucherhinweise

  • Wandern & Ausflüge: Für Erholungssuchende gibt es gute Nachrichten: Der beliebte Bohlensteg am Hohlohsee bleibt vorerst weiterhin zugänglich. An einzelnen Wegabschnitten am Rande des Moors kann es zeitweise zu geringfügigen Einschränkungen kommen.
  • Ausstellung „Baustelle Moor“: Wer tiefer in die Hintergründe eintauchen möchte, findet im Infozentrum Kaltenbronn eine Sonderausstellung mit Bildmaterial, Plakaten und Anschauungsobjekten.
    • Öffnungszeiten in den Sommerferien: täglich 10 bis 17 Uhr
    • Ab 13. September: Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr
  • Geführte Exkursionen: Speziell geschulte „MoorGuides“ bieten kostenlose Führungen an. Ein Termin für Familien findet am Sonntag, 20. September, von 11 bis 14 Uhr statt. Auch eigene Termine für Gruppen können individuell gebucht werden.
  • Kontakt & Info: E-Mail für Führungsanfragen: moorguide@infozentrum-kaltenbronn.de. Weitere Details und der Veranstaltungskalender unter infozentrum-kaltenbronn.de.
Foto Zoller: Eine Demonstration zeigt, wie tief die Gräben auf dem Kaltenbronn sind
Foto Zoller: Spezialbagger im Einsatz
Foto Zoller: Spezialbagger im Einsatz
Foto Zoller: Landschaftliches Idyll der Hohlohsee
Foto Zoller: Kristina Schreier und Renate Fischer geben Auskunft