Abkühlen & Durchatmen

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Natur & Erholung

Wohltuender Nördlicher Schwarzwald

Andreas Steidel

Autor: Andreas Steidel

15. Dezember 2022

Sprudelnde Bäche und ein kühler Luftzug: In Zeiten des Klimawandels und großer Hitzewellen bekommt der Begriff der Sommerfrische im Nördlichen Schwarzwald plötzlich eine ganz neue Bedeutung.

Fröhlich plätschert die Eyach zwischen alten Erlen und Silberweiden hindurch. Ein naturbelassener Fluss, der von schattenspenden Uferbäumen gesäumt wird. Das Wasser springt über Geröllsteine, formt kleine Kaskaden, versprüht seinen feuchten Dunst in die sattgrüne Umgebung. Eine Wohltat vor allem bei sommerlichen Temperaturen. Hier kann man auch bei großer Hitze noch etwas unternehmen, ein Rückzugsort für heiße Hundstage, die es auch in Deutschland zunehmend häufiger gibt. Immer öfter suchen Menschen diese Oasen der Frische, kleine Wald- und Wildnisinseln, in denen die Natur noch Natur sein darf.

Der Nördliche Schwarzwald ist eine gesegnete Gegend. Hier fallen die Niederschläge etwas üppiger aus als in den meisten anderen Regionen Deutschlands. Ein dichtes Netz von natürlichen Bächen und Flussläufen durchzieht die Landschaft. Die 18 Kilometer lange Eyach gehört dabei zu den schönsten und ursprünglichsten Fließgewässern im Schwarzwald.

Ein kleiner Pfad begleitet sie. Entlang eines rauschenden Baches zu wandern ist eine Wohltat für Körper und Seele. Hier kann man durchatmen und abschalten, die Hektik und Hitze der Großstadt hinter sich lassen und eine weite ursprünglich gebliebene Landschaft mit allen Sinnen genießen. Es gibt so unendliche viele dieser Wasserwege in den Seitentälern von Enz und Nagold. Die Eyach fließt irgendwann in die Enz und gehört zum heilklimatischen Kurort Dobel. Eine Idylle der Natur, die sich zwischen Schwarzwaldtannen auf einem Hochplateau ausbreitet. Zertifizierte Guides nehmen ihre Gäste auf kleine Entdeckungsreisen mit. Was tut mir wirklich gut und wie kann ich mein Immunsystem stärken?

Schon die alten Mönche wussten, wie vorteilhaft es sich im Nördlichen Schwarzwald leben lässt. Vor knapp 900 Jahren kamen die Zisterzienser nach Herrenalb, gründeten dort ein Kloster und nutzten den Wasserreichtum für ihre Landwirtschaft und Fischzuchten. Irgendwann fiel es den Menschen auf, dass das Wasser nicht nur üppig an der Oberfläche fließt, sondern auch warm aus der Tiefe kommt. Früh reisten die Herzöge aus Württemberg in das Tal der Teinach und ließen sich von den dortigen Quellen kurieren. So entstand ein wahrhaft königliches Bad, in dem sich noch heute die Menschen verwöhnen lassen.

Deutschland ist ein dichtbesiedeltes Land. Durchzogen von Straßen, Gewerbegebieten und Wohnsiedlungen. Das alles endet im Nördlichen Schwarzwald irgendwann. Je tiefer man in die Landschaft hineinkommt, desto ruhiger wird es. Kilometerweit nichts als Tannen, Buchen und saftige Wiesen. Inmitten der natürlichen Wälder haben einige der letzten Hochmoore in Deutschland überlebt.

Rund um Bad Wildbad kann man den Schwarzwald förmlich riechen. Auf einem Baumwipfelpfad durch die Kronen der Schöpfung spazieren. Kaum eine Gegend in Deutschland hat einen höheren Waldanteil, nur unterbrochen von kleinen Städten, Dörfern und Weilern. Nach Bad Wildbad kommen die Gäste schon seit Jahrhunderten. Wie ein grüner englischer Garten säumt der Kurpark die Ufer der wildromantischen Enz. Zuweilen vergisst man völlig, dass diese Landschaft einst ja von Menschen gestaltet wurde. Die Gäste verlieren sich in der Weite des Parks, treffen sich erst am Abend wieder, wenn sie in das wohlige Wasser des Palais Thermal eintauchen. Das Bad ist ein Märchen aus Tausendundeinernacht, ein im maurischen Stil gehaltenes Ensemble, das heute wie damals die Urlauber betört.

Schon vor 500 Jahren weilte der berühmte Arzt Paracelsus im Tal der Nagold. In Liebenzell stieß er auf eine Vielzahl natürlicher Quellen, deren wohltuende Wirkung er in seinen Aufzeichnungen festhielt. Eine moderne Therme trägt dort heute seinen Namen, bis zu 8000 Jahre alt ist das kostbare Wasser, das dort aus dem Boden strömt. Man kann spazieren und sinnieren. Im Sophi-Park an der Nagold philosophischen Gedanken nachhängen und die dazu passenden Skulpturen bestaunen. Im alten Badhaus gibt es Feines von der Kaffeetafel, mit 26 Grad kommt hier das Wasser aus der Erde und umschmeichelte die Besucher aus nah und fern.

Ein Urlaub in der Natur des Nördlichen Schwarzwalds kann einfach himmlisch sein. Das gilt ganz besonders für den Moment der Besteigung des Aussichtsturmes in Schömberg: „Himmelsglück“ heißt er, ein 50 Meter hohes Wunderwerk aus Naturholz. Oben steht man irgendwie über den Dingen. Ein kräftige Brise Höhenluft umweht die Nase, Raubvögel ziehen ihre Kreise, in den Zweigen der Bäume singen die Vögel ihr fröhliches Lied. Ein Moment zum Innehalten und genießen einer Landschaft, in der man den Alltag ein paar sommerfrische  Tage lang hinter sich lassen kann.

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