Über Höhen, Täler, Stock und Stein

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Mehrtageswanderung

Auf Stiefelreise im oberen Nagoldtal

Leonie Peichl

Autor: Leonie Peichl

27. Juni 2022

Habt ihr auch manchmal das Gefühl im Alltag geht alles zu schnell und man hat manchmal gar keine Zeit abzuschalten? Zwischen Arbeit und Freizeit ist man eigentlich nur auf Achse?

Dann seid ihr hier genau richtig! Die 3-Etappen Wanderung „Oberes Nagoldtal“ führt euch über verschlungene Pfade durch unberührte Natur und hilft dabei den Kopf mal so richtig freizubekommen.

Von Calw aus startet unsere erste Etappe, umgeben von alten Fachwerkhäusern und dem Ambiente der Hermann Hesse Stadt. Mit den hübschen kleinen Gässchen bietet Calw einen optimalen Start in die nächsten Tage.

Die Motivation ist hoch! Schließlich liegen drei Tage Wald, Wandern und Natur pur vor uns. Wir verlassen Calw und das rege Treiben des Städtchens einigermaßen zügig und bald empfängt uns die Stille der Natur. Man hört nur noch das Rascheln der Bäume und Knacken der Äste und Blätter unter unseren Schuhen und ab und zu zwitschert ein Vogel. Nicht weit von Calw entfernt erreichen wir den Kletterfelsen am Öländerle, wo sich ein paar sportlich ambitionierte Kletterer die Felsen entlanghangeln.

Von hier aus geht es ziemlich konstant bergauf und bald spüren wir zwar jeden Knochen aber merken, dass der Kopf mit jedem Schritt freier wird. Angekommen am Holzbronner Augenblick, einem Aussichtspunkt, von dem man einen wunderbaren Weitblick Richtung Teinachtal und über die bewaldeten Hängen genießen kann, verschnaufen wir kurz.

Nach weiteren Kilometern durch die Natur erreichen wir den kleinen Gültlinger Stausee, am liebsten würde ich sofort mit all meinen Klamotten hineinspringen, um mich abzukühlen. Ein Blick in die Wanderapp zeigt aber: Wir haben erst die Hälfte geschafft. Also nur kurz durchatmen und dann geht es weiter. Ab hier läuft der Weg durch eine der schönsten Heidenlandschaften, mit weiten Feldern und Wiesen, in der wir bisher gewandert sind! Hier kommen wir nun deutlich zügiger voran und bald machen wir uns auch schon an den Abstieg Richtung Wildberg.

Das kleine Städtchen empfängt uns mit schmalen Gässchen und schönen alten Häusern. Auch die Wildberger Kloster Anlage, die bis zurück ins 13. Jahrhundert datiert, ist eine Erkundungstour wert. Wildberg ist außerdem bekannt für seine Schäfer Tradition, die als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

Ziemlich erledigt erreichen wir unser Hotel für die Nacht und sind froh die Beine hochlegen zu können und uns heute nur noch ins Restaurant bewegen zu müssen, um unsere Kraftreserven wieder aufzutanken.

Der zweite Tag steht an! Zwar sind wir nach dem Abendessen fast zu müde gewesen, um das Licht im Zimmer auszumachen, aber dafür war der Schlaf nach einem so aktiven Tag einfach himmlisch! Also ab in de Wanderschuhe und nach einer Stärkung geht es los auf die nächste Etappe. Diese führt uns von Wildberg nach Berneck und es liegen knackige 25km vor uns.

Wir schultern also unsere Rucksäcke und auf geht’s!

Der erste knackige Anstieg erfolgt direkt, so kommen wir auch ziemlich zügig ins Schwitzen. Oben angekommen wird man aber direkt mit tollen Ausblicken in Richtung Hornigsrinde belohnt und kann bei einem etwas stetigeren angenehmeren Steigungsverhältnis einige schöne Kilometer am Gäurandweg zurücklegen. Die Weitblicke über die Hänge verleihen nahezu Flügel und so erreichen wir zügigen Schrittes den Abstieg Richtung Nagold. Hier empfängt uns eine belebte hübsche Innenstadt mit Cafés, Restaurants und einer Fußgängerzone, die zum Bummeln einlädt. Wir entscheiden, eine kurze Pause einzulegen und entspannen etwas im Stadtpark Kleb, der eine hübsche Wohlflühloase direkt an der Nagold bietet. Nach einer Stärkung machen wir uns an den Anstieg hinauf zur Burgruine Hohennagold, bei der wir einen weiteren Abstecher durch die alten Gemäuer machen, bevor wir uns der zweiten Hälfte des Weges widmen.

Weiter geht es immer entlang der Nagold und der Rest der Tagesetappe bleiben wir von kräfteraubenden Anstiegen verschont. Wir laufen vorbei an der Monhardter Wasserstube, einem historischen Überbleibsel der Flößerkultur. Von hier aus schlängelt sich unser Weg weiter durch den Wald, bis wir das beschauliche Städtchen Berneck erreichen, das mit seiner markanten Schildmauer schon aus der Ferne erkennbar ist.

Empfang habe ich hier mit meinem Handy zwar nicht mehr, aber das macht zum Glück nichts, da die Wegweiser und die Beschreibungen der Etappen die wir zur Verfügung gestellt bekommen haben, völlig zur Orientierung genügen. Und so tut mir der kleine Handy Entzug auch definitiv ganz gut, mein Kopf ist auf jeden Fall so frei wie schon lange nicht mehr!

Auch in dieser Nacht fallen wir nach dem Abendessen wieder wie Steine ins Bett und wachen erst am nächsten Morgen mit knurrendem Magen auf. So viel Bewegung an der frischen Luft ist ganz schön anstrengend!

Die letzte Etappe, die uns wieder zurück nach Calw führen soll, ist mit 22km die kürzeste Etappe der Tour, vielleicht auch ganz gut so, denn der Muskelkater macht sich so langsam bemerkbar. Wir starten von Berneck und folgen den Wegen kilometerlang durch den Wald, ohne überhaupt andere Wanderer zu treffen, die Stille und die Geräusche des Waldes versetzen mich fast in einen meditativen Zustand und die ersten 10km vergehen beinahe wie im Flug.

Als wir Unterhaugstett erreichen, treffen wir zum ersten Mal wieder auf andere Wanderer, mit denen wir uns kurz unterhalten, man hat uns unsere Erschöpfung wohl doch angesehen! Aber schlappmachen gibt’s nicht, also machen wir uns bereit für den letzten knackigen Anstieg der Tour und gelangen so schließlich zur Burgruine Zavelstein, von wo wir noch einmal mit grandiosen Schwarzwaldpanoramen verwöhnt werden. Auch hier gönnen wir uns eine kleine Verschnaufpause und genießen in dem schnuckeligen Altstädtchen noch einen Kaffee und Kuchen, bis die letzten Kilometer bewältigt werden.

Von Zavelstein folgen wir dem Qualitätswanderweg Wasser-Wald-und-Wiesenpfad durch die duftenden Wälder bis wir den Calwer Stadtgarten erreichen. Hier tragen uns unsere Füße auf einmal wieder deutlich leichter und als wir auf dem Markplatz ankommen überkommt mich ein regelrechtes Triumphgefühl! 69km und 1700 Höhenmeter an drei Tagen, das ist schon eine Leistung, jetzt haben wir uns definitiv erstmal ein ordentliches Essen und ein Bier verdient!